Klima-Monitoring und Controlling in Göttingen

Die aktuellen Zahlen

Geposted von " Göttinger Klimabündnis " am Wednesday, August 9, 2023

Inhalt

Monitoring und Controlling durch das Göttinger Klimabündnis

Das Göttinger Klimabündnis hat sich entschlossen, ein Monitoring und Controlling der aktuellen Klimaschutzdaten in Göttingen durchzuführen. Ein mindestens jährliches Monitoring, das die Daten des vergangenen Jahres nach einem halben Jahr, spätestens aber nach einem Jahr, liefert, ist für die Einschätzung der Lage im Klimaschutz und die Planung von Maßnahmen durch die Politik, also zur Erreichung der Klimaziele der Stadt unbedingt notwendig.

Dieser Aufgabe ist die Stadt Göttingen in der Vergangenheit nur unregelmäßig und mit zum Teil erheblicher Verzögerung nachgekommen. Die von der Stadt derzeit veröffentlichten Klimadaten gehen auf das Jahr 2020 zurück. Einem Jahr, das aufgrund der Corona-Pandemie keinesfalls als statistisch aussagekräftig für Klimadaten angesehen werden kann.

Dieser Entschuss des Klimabündnisses folgt nun, nachdem auf eine mehr als zwei Jahre alte Forderung nach einem zeitnahen Monitoring und handlungsfähigem Controlling aus den Reihen der Zivilgesellschaft nur zögerlich und letztlich unwirksam reagiert wurde. Zwar wurde vor etwa einem Jahr ein Ratsbeschluss gefasst, ein regelmäßiges Monitoring einzurichten. Aber zur Aktualität der Daten wurde nichts weiter festgestellt, ein handlungsfähiges Controlling wurde abgelehnt und damit de Facto der Wille zur Einhaltung der Klimaziele negiert.

Auf Basis der jährlichen Daten des Referats für Wahlen und Statistik der Stadt Göttingen lassen sich die meisten der CO2-Emissionen der Stadt Göttingen der vergangenen Jahre seit 1999 ermitteln. Dies sind auch gleichzeitig im Wesentliche die Treibhausgas(THG)-Emissionen, die für die Klimabilanz berücksichtigt werden müssen, da der Anteil anderer Treibhausgase durch die Landwirtchaft nur verschwindend gering ist.

Die Entwicklung über die letzten 15 Jahre ist in der Abbildung

THG-Emissionen in Göttingen THG-Emissionen in Göttingen in Kilotonnen

zu sehen.

Für die letzten fünf Jahre sind die Ergebnisse auch in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

CO2-Bilanz 2018 2019 2020 2021 2022
Gas 332.4 329.8 339.8 350.8 301.6
Strom 305.5 253.1 221.7 217.5 241.1
Fernwärme 18.4 17.8 17.5562 20.2 20.2
Öl 26.4 26.2 26.9 27.9 24.2
Summe Energie 682.7 626.8 606.0 616.5 587.1
Verkehr 259.5 257.9 229.4 230.1 228.4
Gesamt 942.3 884.7 835.4 846.6 815.5

Welche Daten gehen in das Klima-Monitoring ein?

Die Auswahl der hier verwendeten Daten, Wärme, Strom und Verkehr, für das Monitoring des städtischen CO2-Ausstosses scheint auf den ersten Blick etwas willkürlich zu sein.

  • Warum werden nicht all die CO2-Emissionen, die zum Beispiel für den persönlichen CO2-Fußabdruck genutzt werden, für alle Göttinger Bürger aufsummiert?
  • Weshalb spielt die Landwirtschaft als wichtiger Faktor in Göttingen keine Rolle?
  • Warum gehen nicht die Emissionen, die durch den Abfall in Göttingen entstehen, mit in die Bilanz ein?

Entscheidend bei der politischen Steuerung der THD-Reduktion sind drei Fragestellungen:

  • eine Zielplanung,
  • die tatsächliche Entwicklung der THG-Emissionen und
  • die zu treffenden Maßnahmen um die Ziele zu erreichen.

Um dies auf auf die kommunale Ebene herunterzubrechen, braucht es realistische, vor Ort messbare Indikatoren, eine gewissenhafte Analyse und die Einführung von Standards. Ausserdem ist eine Methode, die eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Kommunen ermöglicht wünschenswert, wenngleich nicht notwendig.

Es ist zum Beispiel für eine Kommune unrealistsch, den persönliche CO2-Fußabdruck aller Bürger zu ermitteln. Aber die Daten der vor Ort verwendeten Energie zu ermitteln, ist in Zusammenarbeit mit den Energielieferanten durchaus realistisch und wird ohnehin schon von vielen Kommunen im Rahmen jährlicher Datenerhebungen gemacht. Auch lässt sich im Allgemeinen der THG-Eintrag durch landwirtschaftliche Betrieb ermitteln. Dieser spielt allerdings im Göttinger Stadtgebiet so gut wie keine Rolle.

Daraus entstand als die in Deutschland angewendete Regel für die Messung der realen kommunalen THG-Entwicklung das sogenannte endenergiebasierte Territorialprinzip ( BISKO-Standard   ), was besagt, dass alle anfallenden Verbräuche auf Ebene der Endenergie (Energie, die z.B. am Hauszähler gemessen wird) berücksichtigt und die THG-Emissionen über spezifische Emissionsfaktoren berechnet werden.

Graue Energie, das heißt Energie, die bei der Herstellung von Gütern benötigt wird, wird am Herstellungsort bilanziert. Der Anteil von CO2, das durch den Kauf von Gütern in die Kommune importiert wird, kann also gerade für Kommunen mit geringem Anteil produzierenden Gewerbes, wie Göttingen, beträchtlich sein kann. Genauso werden THG-Emissionen durch Abfallverwertung nach diesem Prinzip nicht da gemessen, wo der Abfall entsteht, sondern zum Beispiel dort, wo Abfall verbrannt wird.

Für den Wärme-Energieträger mit dem höchsten CO2-Ausstoß, dem Gas, können die Beträge exakt aus den statistischen Erhebungen der Stadt ermittelt werden. Obwohl bei der Fernwärme in Göttingen ein gewisser Anteil aus Biogas besteht, wird hier ebenfalls von einem reinen Naturgasbetrieb ausgegangen, da der Anteil gering ist und die CO2-Neutralität von Biogas umstritten ist.

Öl spielt hier ebenfalls nur eine geringe Rolle. Hierzu gibt es lediglich Daten ältere Daten, in denen der Anteil 7% des CO2-Ausstoß durch Wärme betrug. Dieser Anteil wurde über die Jahre beibehalten.

Auch aus den statistischen Erhebungen für Strom lässt sich der CO2-Ausstoß exakt ermitteln über den sogenannten deutschen Strommix, der besagt wieviel von den verschiedenen Energieträgern in den Jahren für die Kilowattstunde im Mittel verwendet wurde, und wieviel CO2 damit emittiert wurde.

Sowohl in der Tabelle wie in der Grafik sind auch Daten für den Verkehr aufgeführt. Dieser Anteil beruht auf einer plausiblen Schätzung. Warum die Schätzung plausibel ist, warum andere bisherige Schätzungen weit weniger plausibel sind und wie sich die hier vorgestellten von den anderen unterscheiden, wird im gesonderten Abschnitt Verkehrs-Monitoring in Göttingen behandelt. Hier werden auch weitere Indikatoren, zum Beispiel zu Verkehrsflächen, Radwegen und ÖPNV untersucht.

Vergleich mit den Daten der Stadt Göttingen

Die hier auf Basis der elektrischen und Wärme-Energie berechneten Emissionsdaten (die Balken ohne die violetten Verkehrsdaten) stimmen mit den Daten, die die Stadt Göttingen zu bestimmten Zeiten veröffentlicht hat, sehr gut überein, wie die folgende Grafik deutlich macht.

THG-Emissionen im Vergleich zu den städtischen Daten THG-Emissionen in Göttingen in Kilotonnen im Vergleich zu den städtischen Daten

Wo es allerdings zum Teil deutliche Abweichungen gibt, ist im Bereich Verkehr. Im Wesentlichen liegt dies daran, dass die Stadt sich seit Jahren weigert, im Bereich des Verkehrs auch nur minimale Datenerhebungen zu machen. Daher müssen die Verkehrsdaten sehr grob aus bundesweiten Entwickungen geschätzt werden. Wie die genau geschieht, ist für die Zahlen der Stadt zum Verkehr unbekannt und die starken Schwankungen er Zahlen über die Jahre, sprechen nicht unbedingt für eine hohe Zuverlässigkeit des städtischen Modells.

Die hier verwendeten Zahlen beruhen auf einem einheitlichen Modell, das ein eigener Artikel zu dem Thema beschreibt. Im Wesentlichen wird ein bestimmter Prozentsatz der durchschnittlichen Gesamtfahrleistung der angemeldeten KFZs aus Stadt und Umgebung für die Berechnung des CO2-Ausstoßes angesetzt. Die durchschnittliche Fahrleistung und der CO2-Ausstoß beruht auf bundesweiten Zahlen, womit auch der CO2-Verminderung bei E-Autos durch bundesweite Zahlen Rechnung getragen wird. Ohne eine regelmäßige lokale Verkehrsmessung und eine Angabe der gemeldeten KFZ nach Antriebsart lassen sich hier keine lokal spezifischeren Aussagen machen.

Controlling

Tatsächlich liefert das Ergebnis für 2022 die bislang niedrigsten CO2-Emissionswerte für Göttingen seit 2008. Mit der Corona-Pandemie waren auch in Göttingen die Emissionen gesunken und nachdem sie 2021 schon wieder gestiegen sind, kann der neuerliche Rückgang 2022 der Gesamtemissionen durchaus als ein kleiner Erfolg gewertet werden.

Im Wesentlichen ist der neuerliche Rückgang im Jahre 2022 auf die beträchtlichen Gaseinsparungen von immerhin 14% zurückzuführen. Dabei handelt es sich vor allem vermutlich um Einsparungen, die in Folge der Energiekrise des letzten Jahres getätigt wurden.

Der tatsächliche Gasverbrauch im letzten Quartal ist von 555 GWh im Jahr 2021 auf 455 GWh für 2022 zurückgegangen, was Einsparungen von 18% entspricht. Das ist zwar weniger als der Bundesdurchschnitt von 23% bis Ende 2022 (siehe ZDF 5.5.23   ), aber es spiegelt den Umstand wieder, dass in der Industrie deutlich mehr gespart wurde als bei den Privathaushalten, und in Göttingen der Industrieanteil geringer ist. Immerhin zeigt sich hier, was kurzfristig auf freiwilliger Basis möglich ist, wenn Menschen von der Richtigkeit überzeugt sind.

Allerdings ist stattdessen der CO2-Anteil des Stroms deutlich gestiegen. Tatsächlich geht dies allein auf den höheren Kohleanteil bei der Stromerzeugung zurück, denn der in Göttingen verbrauchte Strom ist gegenüber dem Vorjahr weitgehend gleich geblieben. Er ist aber eben auch nicht gesunken, wie es nötig wäre, sondern im Vergleich mit 2021 sogar gestiegen.

Göttinger Klimabündnis, 9.8.2023