Offener Brief zur Berücksichtigung nachhaltiger Betriebs- & Bauweisen der anstehenden Klinikumsneubauten

unterschrieben von einer Vielzahl Göttinger Klimainitiativen

Posted by Initiativgruppe UMG-Neubau (UMG4F) on Thursday, September 9, 2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Stephan Weil,

sehr geehrter Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler,

sehr geehrter Herr Niedersächsischer Minister für Umwelt, Olaf Lies,

sehr geehrter Herr Niedersächsischer Minister für Finanzen, Reinhold Hilbers,

sehr geehrte Herren des Vorstands der Universitätsmedizin Göttingen, Professor Dr. Wolfgang Brück, Professor Dr. Lorenz Trümper, Jens Finke

sehr geehrte Herren der Dachgesellschaft Bauvorhaben Hochschulmedizin Niedersachsen, Burkhard Landré und Christian Kilz,

sehr geehrter Herr Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur im Landtag Niedersachsen, Matthias Möhle,

sehr geehrter Herr Vorsitzender des Ausschusses für Haushalt und Finanzen im Landtag Niedersachsen, Stefan Wenzel,

in einer Allianz von regionalen Umwelt-, Klima- & Ressourcenschutzinitiativen wenden wir uns mit diesem offenen Brief an Sie.

Wir möchten Sie für die Vorteile einer nachhaltigen Bauweise sensibilisieren und von der Notwendigkeit überzeugen, den Neubau des UMG-/MHH-Klinikums als Chance zur Umsetzung eines “green Hospitals” [Ärzteblatt 2020] zu nutzen, um wirksamen Klimaschutz auf regionaler Ebene zu betreiben.

Eine fortschreitende Klimakatastrophe wird viel Leid für Mensch und Tier bringen, hier und überall auf der Welt. Um dessen weitreichende Folgen abzumildern, muss auf vielen Ebenen zügig gegengesteuert werden. Der für Göttingen geplante Neubau der Universitätsmedizin ist gemeinsam mit dem der medizinischen Hochschule Hannover das größte Klinik-Bauprojekt in Niedersachsen. Wir sehen hier immenses Potential, die Treibhausgasbilanz in Göttingen über Jahrzehnte positiv zu beeinflussen. Ein klimaschonender Neubau mit Passivhaus- oder Niedrigenergie-Standard als Leuchtturmprojekt in Südniedersachsen spiegelt in unseren Augen auch die verantwortungsvolle Umsetzung des aktuellen Urteils des Bundesverfassungsgerichtes auf lokaler Ebene wieder.

Wir appellieren deshalb an Sie, die entstehenden Mehrkosten in der Bauphase nicht zu scheuen, sondern eine umfassende Investitions- und Betriebskostenanalyse durchzuführen mit dem Ziel, die Baukosten durch die zu erwartenden Einsparungen bei den Betriebskosten gegenzufinanzieren.

Die Bundesregierung hat das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verbindlich beschlossen. Jetzt geplante Klinikumsneubauten werden aber sicher länger in Betrieb sein. Dabei entstehende Treibhausgasemissionen müssen der Atmosphäre dann an anderer Stelle wieder teuer entnommen werden. Im Sinne des Gemeinwohls müssen diese Emissionen deshalb streng minimiert werden.

Moderne Technologien wie z.B. elektrifiziertes Heizen unter der Nutzung von Erd- & Umgebungswärme führen durch ihre effiziente Arbeitsweise zu deutlich niedrigeren Primärenergiebedarfen. Das spart Geld und, mit grünem Strom betrieben, auch CO₂-Emissionen. Die Nutzung von erneuerbaren Energien durch beispielsweise Photovoltaik bietet gerade bei hohen Eigennutzungsgraden kurze Amortisationszeiten. Im Gegensatz dazu können Gerätschaften zur Verbrennung fossiler Energieträger gerade im Licht einer ansteigenden CO₂-Bepreisung schnell zu sog. ‘stranded assets’ werden. Aus diesem Grund halten wir es für zwingend notwendig, das Universitätsklinikum nachhaltig und klimaschonend zu erbauen und insbesondere auch zu betreiben. Dies ist in unseren Augen sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll.

Die zuletzt öfter verwendete Darstellung, dass eine nachhaltige Bauweise und der Nutzung erneuerbarer Energiequellen Arbeitsplätze gefährden würde, weil zu teuer, lässt sich schnell als völlig überholtes Narrativ entlarven, wenn man Investitions- und Betriebskosten des Gebäudes, summiert über dessen Lebensdauer, betrachtet. In diesem Zusammenhang mutet es schon fast zynisch an, wenn die nachhaltige Bauweise gegen die medizinischen Anforderungen an den Neubau aufgerechnet werden sollen. Wenn man schon Kosten gegen Gesundheit ausspielen will, sollte man eher fragen, ob hohe Betriebskosten durch den wirtschaftlichen Druck nicht ärztliche Therapieentscheidungen langfristig beeinflussen werden.

Die monetären Kosten des Neubaus entstehen auf diesem wie jenem Wege für die Gesellschaft. Dabei muss primär deren Summe minimiert werden und nicht so sehr darauf geschaut und darüber gestritten werden, aus welchem Budget die Kosten finanziert werden. Bei Liquiditätsproblemen der Staatskasse sollte lieber über eine Öffnung für Investitionseinlagen durch Bürger nachgedacht werden.

Ein betriebskostensparendes Nachhaltigkeitskonzept, welches sich stimmig in ein modernes Energiekonzept der Universität einfügt muss deshalb integraler Bestandteil der Gebäudeplanung werden. Die Diskussion über Nachhaltigkeitsaspekte darf nicht erst verzögert, nach einer vollständig gesicherten Finanzierung geführt werden.

Angehängt finden Sie eine Zusammenstellung von weitergehenden Informationen zu Potentialen einer nachhaltigen Bauweise. Wir würden uns freuen, mit Ihnen in einen Dialog zu treten, um die beste Lösung für das Gemeinwohl zu definieren und zu spezifizieren und Sie bei Fragen gerne beratend zu unterstützen.

Die Entscheidungen, die Sie bei der Planung treffen, werden über viele Jahrzehnte hinweg Auswirkungen haben. Sich hier engagiert für Klimaschutz einzusetzen, bedeutet der Verantwortung für uns und für kommende Generationen gerecht zu werden. Darum bitten wir Sie.

p4f_goe
h4f_han
h4f_goe
fff_goe
s4f_goe
Beratung und Prüfung der verwendeten Fakten auf Korrektheit durch Scientists for Future Göttingen
goe0
gp_goe
bund_goe
xr_goe