PM des BUND zu Gewerbegebieten in Göttingen und Umland

Können wir es uns wirklich leisten, neue großflächige Gewerbegebiete in Göttingen und Umland auszuweisen?

Posted by BUND Kreisgruppe Göttingen on Wednesday, August 17, 2022

Die Kreisgruppe Göttingen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die weiter geplante großflächige Ausweisung neuer Gewerbeflächen durch die Gemeinden in der Region. Stattdessen sollten bestehende Gewerbegebiete verdichtet und aufgegebene Standorte nachgenutzt werden! Außerdem muss eine ökologische Aufwertung bestehender Gebiete in Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens erfolgen!

15 ha in Rosdorf südöstlich der JVA, 16,6 ha für das Gewerbegebiet Area-3-Ost zwischen Bovenden und Angerstein, 20 ha bei Hevensen (Hardegsen), 21 ha für das Gewerbegebiet Northeim-West und mehrere Hektar für die Erweiterung von Sartorius nördlich der Hermann-Kolbe-Straße in Göttingen. Das sind mehr als 70 ha geplante, überwiegend zu versiegelnde Gewerbefläche, die vor allem auf Kosten landwirtschaft-licher Nutzflächen und des Klima- und Umweltschutzes in unserer Region geht.

Und doch beklagen am 2.8.22 im GT in einem gemeinsamen Positionspapier sieben regionale Wirtschafts-institutionen, dass im Landkreis Göttingen zur Zeit nur 80 ha ausgewiesene freie Gewerbefläche zur Verfügung stünden und bereits im ersten Quartal 2022 37 ha Gewerbefläche nachgefragt wurden.

Die BUND Kreisgruppe hinterfragt diesen scheinbaren Bedarf und fordert statt einer ungebremsten Aus-weisung neuer Flächen: Leerstehende oder aufgegebene Gewerbeflächen zeitnah einer Nachnutzung zuführen! Bestehende Gewerbegebiete verdichten und die meist einstöckigen bestehenden Gewerbe-immobilien aufzustocken! Damit könnte ein Großteil der Neuausweisungen ersetzt werden. Das gebietet auch die Vereinbarung, die im Niedersächsischen Weg zwischen dem Land Niedersachsen, dem Bauern-verband und den Naturschutzverbänden BUND und NABU getroffen wurde: Die tägliche Neuversiegelung soll von rund 6,6 ha im Jahr 2021 bis 2030 auf unter 3 ha reduziert werden, bis 2050 sogar auf Null!

Dr. Ralph Mederake, Vorstand der Kreisgruppe des BUND Göttingen, fordert außerdem, dass die beste-henden Gewerbegebiete in Zeiten von Klimakrise und Artensterben unbedingt ökologisch aufgewertet werden müssen. „Die Nachrüstung von Fotovoltaik auf Hallen und Gebäuden ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende“, so Dr. Mederake. „Eine bessere Anbindung der Gewerbegebiete an den ÖPNV und eine Verbesserung der Fahrradweganbindung führe außerdem zu weniger Individualverkehr“. Große Parkflächen sollten reduziert und ebenfalls mit Fotovoltaik überbaut werden. Hier können zusätzliche Einnahmen erzielt werden, der Strom selbst genutzt oder eine Tankstelle für E-Autos der Unternehmen oder Mitarbeiterinnen betrieben werden. Außerdem ist es im Sinne der Klimaanpassung notwendig, die Fassaden und Dächer zu begrünen und mit Photovoltaik-Anlagen zu kombinieren, was sich im Allgemeinen hervorragend ergänzt. Die Begrünung etwa sorgt im Sommer für kühlere Temperaturen und im Winter für eine zusätzliche Isolierung. Zur Beschattung und damit Kühlung sollten großkronige Bäume gepflanzt werden. Statt Rasen-, oder noch schlimmer Asphalt- oder Schotterflächen, sind blütenreiche Wiesen oder Wildstaudenflächen anzulegen, um Insekten und andere Tierarten zu fördern. Blühflächen helfen nicht nur der Fauna, sondern erfreuen auch Mitarbeiterinnen und Kund*innen der Unternehmen.

Es wäre nicht im Sinne einer nachhaltigen Zukunft, mehr Fläche zu versiegeln und für Artenvielfalt und Klimaschutz zu verbauen. Stattdessen sollte mit neuen Ideen an alte Gebiete herangetreten werden.

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