Einbahnstraßenregelung im Rahmen des Radentscheids

Linienbusführung im Ostviertel

Geposted von " Göttinger Klimabündnis " am Monday, May 20, 2024

Inhalt

Der Radentscheid

Die Initiative GöttingenZero hat in einem Bürgerbegehren erreicht, dass die Göttinger Bürger*innen zur Europawahl über etliche Vorschläge zur Verbesserung der Radinfrastruktur in Göttingen, einer der wesentlichen Säulen einer Verkehrswende, abstimmen können.

In nunmehr knapp drei Wochen wird diese Abstimmung stattfinden, aber in der laufenden unsäglichen Diskussion um die Kosten treten die Möglichkeiten der Maßnahmen weitgehend in den Hintergrund.

Auch wenn Göttingen immer wieder bei bundesweiten Vergleichstests zur Radinfrastruktur relativ gut abschneidet, gibt es noch viele ernste Gefahrenpunkte und Bereiche, in denen Autofahrer ermutigt werden, sich über geltende Verkehrsregeln, zum Beispiel zur Abstandshaltung zum Radverkehr, hinweg zu setzen. Dies ist besonders bei einigen wichtigen Verbindungsstraßen im Ostviertel der Fall. Auch bei den Autofahrern ist daher die Forderung nach einer Trennung von Auto- und Radverkehr zunehmend beliebter.

Eine solche Trennung ist an den Straßen im Ostviertel wegen der Breite der Straßen nur durch eine Einbahnstraßenregelung zu erreichen. Dass eine solche Regelung für alle Verkehrsteilnehmer zu einer deutlichen Entlastung führen kann, hat sich in vielen Beispielen in anderen Städten, aber auch schon in Göttingen gezeigt.

Allerdings ist in solchen Fällen durch die Umleitung des Busverkehrs in der einen Richtung eine Veränderung der bestehenden Anbindung durch Haltestellen unumgänglich.

bestehender Stadtlinienplan Abb.1: Der bestehende Stadtlinienplan der GöVB im Ostviertel.

Daher muss sorgfältig geprüft werden, ob eine akzeptable Lösung für eine Erreichbarkeit der Linien für die wichtigsten Zielgruppen erhalten bleibt.

Die folgenden Vorschläge bestätigen das. Mit entsprechenden Varianten der Linienführung lässt sich sogar eine deutliche Verbesserung der Abdeckung durch Haltepunkte erreichen.

Im Ostviertel im Bereich Friedländer Weg / Düstere-Eichen-Weg / Dahlmannstraße sollen die folgenden Veränderungen vorgenommen werden:

Maßnahmen: A, C, D, E

  • Friedländer Weg / Düstere-Eichen-Weg (1370 m, Am Steinsgraben bis Dahlmannstraße, mit Anpassung Linienbusführung
  • Merkelstraße / Dahlmannstraße (1290 m, Am Steinsgraben bis Düstere-Eichen-Weg, mit Anpassung Linienbusführung)
  • Wörthstraße (480 m, Breslauer Straße bis Am Steinsgraben)

Vorschlag des Göttinger Klimabündnis zur Umsetzung

Da es sich bei den vorgeschlagenen Maßnahmen in diesem Bereich um einen sehr wesentlichen Teil der Verbesserung der Rad-Infrastruktur in Göttingen handelt, und eine Radverbindung auf den Parallelstraßen wegen mehrfacher Bergauf- und Bergab-Strecken nur schlecht angenommen werden wird, ist die Linienbusführung vom Klimabündnis hier genauer untersucht worden.

Die Linienbusführung ist in diesem Bereich komplex, wie im Ausschnitt des GöVB-Stadtlinienplan in Abb.1 zu erkennen ist. Zudem bedienen die Linienbusse auf dem Friedländer Weg ein Altersheim, die BBS 1 Arnoldischule und das Hainberggymnasium. Trotzdem sind die notwendigen Änderungen der Streckenführung aus Sicht des GöKB mit vertretbarem Aufwand auch unter Erhalt dieser Anbindungen umsetzbar. Ja es lässt sich sogar zusätzlich eine weiteres Altersheim in der Münchhausenstr. besser integrieren.

Die Wörthstraße wird nicht von den Linienbussen der GöVB genutzt und braucht daher nicht betrachtet zu werden.

Wegen der Aufteilung des Verkehrs am Eichendorff-Platz und am Friedländerweg Ecke Steinsgraben ist eine Verkehrsführung auf dem Düstere Eichenweg und dem Friedländer Weg in Nord-Süd-Richtung günstiger. Andernfalls würden sich die Verkehrsflüsse in Süd-Nord-Richtung mit dener der Nord-Süd-Richtung an den Kreuzungspunkten überschneiden, was zusätzliche Ampeln nötig machen würde und den Verkehrsfluss insgesamt unnötig verlangsamt. Die Dahlmann- und Merkelstraße werden dann entsprechend nur in Süd-Nord-Richtung befahren, was insgesamt einer Befahrung entgegen dem Uhrzeigersinn entspricht (siehe Kreisverkehr-Richtung bei Rechtsverkehr). Andere Varianten werden noch im Abschluss behandelt.

Deshalb müssen die Busse der Linien 22, 71 und 72 in Süd-Nord-Richtung im Bereich Friedländer Weg umgelenkt werden, die Linie 50 in Nord-Süd-Richtung im Bereich Dahlmannstraße. Für die jeweilig entgegengesetzte Richtung ändert sich nichts.

Die Linien 71,72 können dafür in Süd-Nord-Richtung vom Lönsweg kommend vom Steinsgraben rechts zu einem Haltepunkt in die Münchhausenstr. abbiegen und von da geradeaus bis zu einem weiteren Haltepunkt am Heisenbergplatz weiterfahren. Von dort wird die Calsowstr. hochgefahren, links in den Rasenweg abgebogen, und nach einer weiteren Linkskurve über den Hainholzweg rechts die Wagnerstr. befahren. Nach einem Haltepunkt dort geht es aus der Wagnerstr. links in die Herzberger Landstr. und weiter zum Albaniplatz. Die derzeitige Einbahnstraßenregelung für die Wagnerstr. muss hier umgekehrt werden.

Da beide Linien vom Lönsweg im Osten zum Albaniplatz im Westen fahren, besteht der effektive Umweg für die Linien lediglich in der Ost-West-Verschiebung zwischen Rasenweg und Münchhausenstr., also jeweils ca. 150 Meter.

Die Linie 22 fährt aus Süden kommend ebenfalls über den Steinsgraben zu dem Haltepunkt am Anfang der Müchhausenstr. und über den Halt am Heisenbergplatz nach links in die Calsowstr. und weiter in die Innenstadt.

Der Umweg hier besteht in der Ost-West-Verschiebung zwischen Friedländer Weg und Münchhausenstr., also ebenfalls jeweils ca. 150 Meter.

Die Linie 50 fährt in Nord-Süd-Richtung vom Albaniplatz durch den Düstere-Eichenweg mit ein bis zwei Haltepunkten zum Eichendorfplatz. In Süd-Nord-Richtung wird die Strecke über Herzberger Landstr und Dahlmannstr beibehalten. Die Strecke in Nord-Süd-Richtung ist dabei etwas kürzer als die bisherige Streckenführung.

Im einzelnen ist dies in der folgenden Änderung des Ausschnitts des GöVB-Stadtlinienplan in Abb.2 dargestellt.

Stadtlinienplan_Goettingen_SuedOst_Änderung Abb.2: Die vorgeschlagene Anpassung des Stadtlinienplan der GöVB im Ostviertel bei einer Einbahnstraßenregelung gegen den Uhrzeigersinn.

Die Bedienung der wichtigen Haltepunkte auf dem Friedländer Weg, ein Altersheim, die BBS 1 Arnoldischule und das Hainberggymnasium, können in der Nord-Süd-Richtung wie gehabt beibehalten werden. Lediglich für die Linie 22 müssen die Haltestellen der David-Hilbertstr. in den Kreuzungsbereich der Kepler- und Calsowstr. verlegt werden.

In Nord-Süd-Richtung können die BBS 1 Arnoldischule und das Hainberggymnasium an der Ecke Calsowstr/Münchhausenstr für die 71,72, bzw. an der Ecke David-Hilbertstr für die 22 bedient werden. Durch die neuen Haltepunkte werden die Umsteigewege am Haltepunkt David-Hilbertstr. insgesamt sogar kürzer, da die derzeitigen Ein- und Ausstiege an diesem Haltepunkt in den verschiedenen Richtungen weit auseinander liegen.

Für die Altersheime am Friedländerweg und an der Münchhausenstr. ändert sich an der Versorgung in Nord-Süd-Richtung nichts. In Süd-Nord-Richtung ist der Abstand zum Altersheim am Friedländerweg etwas weiter. Dafür liegt dieser Haltepunkt aber unmittelbar vor der Tür des Altersheims an der Münchhausenstr.

Grundsätzlich ist die vorliegende Streckenführung ohne baulichen Maßnahmen realisierbar.

Die Wagnerstr. als die engste der in Betracht kommenden Straßen wird auch jetzt schon für einen Shuttle-Bus zwischen Hainbergklinik und der UMG genutzt. Allerdings ist die Ausfahrt aus der Wagnerstr. an der Ecke Herzberger Landstr derzeit für die Linienbusse der GöVB relativ eng bei einem Winkel von etwas über 90°.

Daher werden in dieser Strasse verkehrliche Anpassungen notwendig sein. So wird es zum Beispiel ein Parkverbot auf der linken und rechten Seite in der Herzberger Landstr. unmittelbar hinter dem Abzweig geben müssen.

Der Fahrbereich der Wagnerstr. selbst ist ca. 4,50 m breit, was bei der mittlerweile vorherrschenden Breite von Privat-PKWs die Durchfahrt der Busse erschwert. Daher kann hier in Absprache mit den GöVB eine geänderte Parkordnung, zum Beipiel durch Parkbuchten mit einer Maximalbreite der Fahrzeuge notwendig werden.

Auch für die anderen für die neue Streckenführung geplanten und durchweg in beiden Richtungen befahrenen Straßen muss entweder über eine geänderte Parkordnung oder eine Überführung in einen Einbahnstraßenverkehr nachgedacht werden, um eine Behinderung der Busdurchfahrt zu vermeiden.

Insgesamt sind die notwendigen verkehrlichen Anpassungen aber moderat und mit nur geringen Kosten realisierbar.

Die Linie 150 zwischen Göttingen und Duderstadt nutzte früher ebenfalls den Friedländer Weg, fährt aber seit Umstellung auf die Schnellbuslinie in dem Bereich in den allermeisten Fällen über die Geismar Landstr. Lediglich zu Schulbeginn wird der Friedländerweg in Süd-Nord-Richtung befahren. In diesem Fall kann hier z.B. ebenfalls die Ausweichroute über die Münchhausenstr. genommen werden, um die Schulen zu erreichen. In der Nord-Süd-Richtung bleibt alles, wie es ist.

Die Nachtlinien N1 - N10 scheinen weder den Friedländer Weg noch den Düstere Eichenweg in Nord-Süd-Richtung zu befahren, die genaue Streckenführung kann den Fahrplänen aber nicht entnommen werden. Daher wären hier keine Anpassungen nötig. Andernfalls sollten Anpassungen bei der relativ großen Haltestellenabstände dieser Linien allerdings ohne Probleme möglich sein.

Die hier vorgeschlagenen Haltepunkte an den vom bisherigen Verlauf abweichenden Strecken sind lediglich Vorschläge, die sicherlich noch optimierbar und den Anforderungen der GöVB gemäß anpassbar sind.

Zusätzliche Vorteile durch Varianten der Verkehrsführung

Für die Linien 71/72 in Süd-Nord-Richtung ist auch eine Streckenführung nach Münchhausenstr. und Calsowstr. hoch bis zur Merkelstr un dzurück über die Herzberger Landstr. möglich. Damit bliebe die ÖPNV-Versorgung der Schulen und Altersheime wegen der Haltepunkte am Heisebergplatz und der Müchhausenstr. erhalten.

Zusätzlich würde mit einer solchen Maßahme endlich dieser Bereich des Ostviertels und insbesondere die für Freizeitaktivitäten wichtige Schillerwiese wenigstens in einer Richtung mit Bushaltestellen bedient. Der Nachteil wäre allerdings ein längerer Umweg der Busse von insgesamt ca. 600 Meter in dieser Richtung. Ausserdem würden sich die Linien 71/72 mit der Linie 50 auf der Herzberger Landstr. begegnen, was vermutlich zusätzliche Ausweichbuchten erforderlich macht.

Es wäre auch denkbar, eine der beiden Linien 71 oder 72 in Süd-Nord-Richtung von der Haltestelle Lönsweg zum Albaniplatz direkt über die Merkelstr und die Herzberger Landstr zu führen, um das Ostviertel besser anzubinden. Für diese Linie gäbe es dann keinen zusätzlichen Umweg.

Die vollständige Umkehrung der Süd-Nord-Richtungsführung für die Merkelstr/Dahlmanstr und der Nord-Süd-Richtungsführung für Friedländer Weg und Düstere Eichenweg, also eine Richtungsführung mit dem Uhrzeigersinn, ist ebenfalls möglich. Allerdings erschwert dies, wie beschrieben, den Verkehrsfluss erheblich an den Übergangspunkten zum beidseitigen Verkehr, und ist deshalb für die Umsetzung weniger geeignet.

Ulrich Schwardmann, Göttinger Klimabündnis