Zivilcourage ist der Mut und die Entschlossenheit, zum Schutz und Wohl anderer Menschen einzutreten, ungeachtet einer möglichen Gefährdung der eigenen Person und ohne einen eigenen Vorteil davon zu erwarten. Eine solche für die Gesellschaft wertvolle Orientierung und Handlung liegt klar ersichtlich vor, wenn z.B. eine in Not befindliche Person von einer couragierten Mitbürger*in unter gefährlichen Bedingungen gerettet wird.
Der Zusammenhang zwischen ethischem Urteil und Handeln schafft auch bei abstrakteren Zusammenhängen die Notwendigkeit von Zivilcourage. Ethische Urteile betreffen auch den Bereich „Verantwortung der Wissenschaft“ bzw der Wissenschaftler*innen. Wer würde heute noch bezweifeln, dass es Zivilcourage gewesen wäre, wenn Atomwissenschaftler sich geweigert hätten eine Atomwaffe zu entwickeln?
Dr. Merle Michaelsen (2.vl) auf einer Veranstaltung des AStA am 14.1.2026 zur Kriminalisierung der Letzten Generation
Die Wissenschaft belegt eine Existenzbedrohung der Menschheit durch Klimaveränderungen und zeigt, dass die Ursachen der Erderwärmung im CO²-Ausstoß liegen. Da Leben und Gesundheit vieler Menschen bedroht sind ist es ethisch gerechtfertigt, entschieden für eine CO²-Reduzierung einzutreten.
Zivilcourage wird erforderlich, wenn wirksame Protestaktionen gewählt werden, die mit einer Gefährdung und entschiedenen Nachteilen der eigenen Person verbunden sind.
Dr. Merle Michaelsen ist vertraut mit ethischen Fragen; sie hat zu ethischen Fragen in der Medizin promoviert. Sie hat sich angesichts der drohenden Klimakatastrophe entschlossen, wirksame Formen des Protestes auszuüben. Sie hat dafür eine friedliche, passive, absolut gewaltlose Widerstandsform gewählt. Sie hat auf der Straße passiven Widerstand gegen die fortgesetzte Verwendung fossiler Treibstoffe geleistet. Damit hat sie eine Form des Engagements benutzt, die ein Vorbild in der hochgeachteten Person Gandhis hat. Sie hat verängstigt aber passiv geduldig ertragen, von wütenden Autofahrer*innen bedroht und angegriffen zu werden. Sie bleibt bei ihrer Haltung auch nachdem sie in unverhältnismäßiger Weise zum Ziel einer Kriminalisierungskampagne wurde, die ihre persönliche Freiheit sowie ihre finanzielle und berufliche Sicherheit bedroht. Sie beharrt auf der ethischen Entscheidung, für das Wohl der Menschheit eingetreten zu sein und das mit allem Rückhalt durch wissenschaftliche Belege und höchstrichterliche Urteile was die Feststellung notwendiger Maßnahmen zum Klimaschutz angeht.