Massiver Ausbau der Gasinfrastruktur geplant

Ein Überblick von 'Frag den Staat' und 'Gemeinsam gegen Gas'

Geposted von " GöKB nach Recherche von 'Frag den Staat' und 'Gemeinsam gegen Gas' " am 18.04.2026

Inhalt

Die Initiativen Frag den Staat   und Gemeinsam gegen Gas   geben auf diesen ihren Seiten einen Überblick über die Infrastrukturplanungen der Bundesregierung zum Ausbau der fossilen Gasinfrastruktur.

Gas ist keine Übergangslösung

Gas wurde viele Jahre als Übergangslösung von der Kohleverstromung zu den regenerativen Energien gepriesen. Doch mittlerweile ist klar, dass es sich hier keinesfalls um eine Übergangslösung handeln kann, denn

  • zum einen ist fossiles Gas mindestens genauso klimaschädlich wie Kohle, denn nicht nur bei der Verbrennung entsteht CO2 zum Beispiel in Kraftwerken und Heizungen, sondern Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, ist auch selbst extrem klimaschädlich, 83 Mal klimaschädlicher als CO2   . Dieses Methan entweicht in große Mengen (über 3 Prozent der produzierten Gasmenge, bei Frackinggas über 10%) durch Lecks bei Förderung, Transport und Flüssiggas-Verarbeitung, sowie zusätzlich durch kontrolliertes Ablassen.
  • Zum anderen ist der Strom aus Gaskraftwerken im Vergleich zu erneuerbaren Energien wesentlich teurer und der Neubau von Gaskraftwerken muss mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert werden. Hinzu kommen die aktuellen und zu erwartenden Preissteigerungen bei fossilen Energien und der steigende CO2-Preis.
  • Hinzu kommen auch die höheren Betriebskosten der Gasnetze bei wegen der Kostensteigerungen immer weniger verbleibende Kund*innen, denn erneuerbares Heizen, beispielsweise mit Wärmepumpe oder grünen Wärmenetzen, ist klimafreundlich, krisensicher und hält Heizkosten bezahlbar. Die Abwanderung zeigt sich schon jetzt in der veränderten Nachfrage: 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen installiert.
  • Gas für Wärme wird zunehmend da verwendet werden, wo die Verbrauchskosten für die Investoren keine Rolle spielen: bei den Mietwohnungen.

Die immer wieder zitierten zu hohen Schwankungen im Netz, bei denen die geplanten Gaskraftwerke einspringen sollen, lassen sich mittlerweile wesentlich kostengünstiger mit großen Batteriespeichern an wichtigen Knotenpunkten im Netz   überbrücken. Auch für die sogenannten Dunkelflauten gibt es mittlerweile tragfähige Lösungen   . Ein Ausbau in der genannten Größenordnung geht völlig am Bedarf vorbei.

Alles in allem geht es dieser Regierung also nicht darum, einen kostengünstigen und effizienten Übergang zur Klimaneutralität zu organisieren. Sondern es geht darum, der Lobby-starken fossilen Industrie vor ihrem Niedergang noch eine riesige Finanzsspritze zukommen zu lassen: auf Kosten der Steuerzahler, der meist geringer Verdienenden Mieter und auf Kosten des Klimas.

20GW bis über 40GW Gaskraftwerks-Zubau geplant

Trotzdem, und in Reaktion auf die völlig überzogene, von verschiedenen Interessengruppen angefachte Heizungsdebatte der Vorgängerregierung, hatte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigt, im Rahmen ihrer Kraftwerksstrategie neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 GW auszuschreiben. Von der EU wurde nur der Zubau von steuerbarer Leistung in Höhe von 12 GW genehmigt, davon allerdings 10 GW für Gaskraftwerke. Trotzdem plant die Wirtschaftsministerin Reiche in einem regierungsinternen Papier Ausschreibungen für insgesamt 41 Gigawatt steuerbare Leistung   .

gemeinsam_gegen_gas Diese Abbildung wurde von “Frag den Staat” erarbeitet und kann dort interaktiv   durchsucht werden.

Dieser Umbau ist etwas für Reiche und Überreiche

Als Staatssekretärin des damaligen Bundesumweltministers Peter Altmaier (CDU) hatte Reiche Anteil daran, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze in der seinerzeit erfolgreichen deutschen Solarindustrie ab 2012 von rund 120.000 auf 45.000 verringerte („Altmaier-Knick”).

Reiche ist 2015 übergangslos aus der Politik in die Wirtschaft gewechselt, was schon damals ein Skandal war. Sie ging zunächst zum Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und war dann fünf Jahre lang Vorstandsvorsitzende der E.ON-Tochter Westenergie AG, die ein 38.000 km langes Gasnetz betreibt, bevor sie als Wirtschaftsministerin in der derzeitigen Regierung dazu vereidigt wurde, schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Ob sie dem als eine ehemalige fossile Lobbyistin mit der Verantwortung für die deutsche Energiepolitik gerecht wird, kann unter den gegebenen Umständen, mit den Vorhaben, die sie zu verantworten hat, und mit den Aktivitäten, die von ihr bekannt wurden, durchaus in Zweifel gezogen werden:

Was tun gegen diese Gaspolitik?

Nach den gestrigen Großdemos in Berlin, Hamburg, München und Köln mit mehr als 80.000 Teilnehmern, die sich gegen diese politische Verantwortungslosigkeit gewehrt haben, geht es weiter:

Weitere Informationen bei Frag den Staat   und Gemeinsam gegen Gas  

Göttinger Klimabündnis, 19. April 2026