Erhalt des Universitätsbades anstelle eines Neubaus an der Eiswiese

Presseerklärung des Klimaschutz-Beirat der Stadt Göttingen

Posted by Klimaschutz-Beirat Göttingen on Monday, February 21, 2022

Der Klimaschutz-Beirat plädiert aus Aspekten des Klima- und Ressourcenschutzes eindeutig für die Erhaltung und Sanierung des Uni-Bades anstelle des Neubaus eines Gruppenbades an der Eiswiese. Um die Klimaschutz-Ziele der Stadt zu erreichen ist es dringend geboten, bestehende Strukturen zu stärken und einen effizienten Ressourceneinsatz zu gewährleisten. Der Neubau eines Gruppenbades an der Eiswiese ist dementsprechend gegenüber der Investition in die Technik und damit weitergehenden Nutzung des Uni-Schwimmbades neben anderen vor allem auch hinsichtlich klimarelevanter Aspekte nicht sinnvoll. Der Klimaschutz-Beirat plädiert daher für die Erhaltung des Uni-Bades und fordert die Stadtverwaltung auf, Gespräche mit der Universität aufzunehmen, wie der Fortbestand des Uni-Bades gesichert werden kann.

Da der Bedarf jetzt und auf absehbare Zeit nur für ein Bad besteht, stellt sich die Frage einer Entscheidung für den einen oder anderen Standort, ein zusätzliches Bad ist unrealistisch. Fakt ist damit, dass der Neubau an der Eiswiese die Schließung des Uni-Bades zur Folge hätte, denn jetzt und in der Vergangenheit erfolgt die Nutzung des Unibades zu ca. zwei Dritteln mit für die Universität externen NutzerInnen – Gruppen, Schulen, Vereinen, Verbänden, Kindergärten, Kindertagesstätten usw.

In seiner letzten Sitzung hat der Klimaschutzbeirat sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und dann beschlossen, über seinen Vertreter im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität einen Antrag im Ausschuss einzubringen, der folgenden Wortlaut hat:

„Vor dem Hintergrund der Göttinger Klimaschutzziele wird auf die Aufstellung des B-Plans Nr. 215, 3. Änderung „Neues Stadtbad Eiswiese“ zunächst verzichtet. Stattdessen wird die Verwaltung beauftragt, in Gesprächen mit der Georg-August-Universität gemeinsam eine Lösung zur Sanierung, Weiternutzung und Betriebsform des Schwimmbades am Uni-Sportzentrum zu entwickeln und eine Kostenkalkulation dafür zu erarbeiten.“

  • Ressourceneffizienz und -ersparnis über Nutzung des Uni-Bades durch Nutzung bestehender Baukörper. Außerdem besteht nur teilweise Sanierungsstau mit geringen In- vestitionskosten für anstehende Instandhaltungsmaßnahmen: Da das Unibad in den letzten zehn Jahren eine komplette energetische Sanierung der Gebäudehülle und des Da- ches (Dreifachverglasung, Wärmedämmung) erfahren hat, brandschutztechnische Anforderungen auf den neuesten Stand gebracht, behindertengerechte Zugänge installiert und die Umkleidekabinen und die Sauna komplett aufwendig saniert worden sind sowie die Sprunganlage erneuert wurde, gibt es keinen generellen Renovierungsstau. Lediglich die Notwendigkeit, kurzfristig die Filteranlage zu erneuern und mittelfristig das eigentliche Becken und die Beckenumrandung zu sanieren, besteht. Die bisher ermittelten Kosten belaufen sich dafür auf rund 2 Mill. Euro, wovon nur etwa ein Drittel kurzfristig für die Filteranlage investiert werden müsste. Man hätte dann ein aktuelles, neuwertiges Bad, das vor allem die Anforderungen der NutzerInnen Gruppen, die nicht nur schwimmen wollen, optimal erfüllt, siehe auch Anmerkungen der betroffenen Vereine. Statt dessen plant man ein neues Bad, Baukosten realistischer Weise rund 6 Mill. Euro + Summe X.
  • Einsparung von ca. 4 Mill. Euro für die SteuerzahlerInnen. Hier ist die Kreativität der Verantwortlichen gefordert, ein Konzept zu entwickeln, dass Stadt (Goesf), Universität und öffentliche Geldgeber (ohne die wird ja auch das neue Bad nicht gebaut) angemessen beteiligt sind (wer ist Bauherr, wer ist Mieter, wenn Mieter baut, wie lange kann er vergünstigt nutzen, wer ist förderungsfähig usw.) Das eingesparte Geld kann dann für andere Klimaschutzmaßnahmen wie z.B. den Klima-Fonds verwendet werden.
  • Dezentralisierung für die NutzerInnen. Natürlich macht es mehr Sinn, diagonal über die Stadt verteilt zwei Bäder zu haben als an einem Standort zu zentralisieren. SchülerInnen vom THG, Kindergärten und Kindertagesstätten aus der Umgebung beispielsweise gehen zu Fuß zum Schwimmunterricht. Dies bedeutet die Ersparnis von Zeit-, Kosten- und Umweltressourcen durch einen verringerten Mobilitätsaufwand.
  • Ressourceneffizienz durch Nachnutzung des Unibades. Würde man sich für den Neu- bau an der Eiswiese entscheiden, entstünde mit dem Unibad eine Bauruine (trotz toller Gebäudehülle und Infrastruktur). Niemand wäre auf absehbare Zeit finanziell in der Lage einen (auch sinnlosen) Abriss zu finanzieren oder eine Umnutzung zu finanzieren. Alle Beteiligten wissen, dass die Kosten für eine Umnutzung (Sporthallen, Fitnessbereiche oder was auch immer) deutlich höher lägen, als für entsprechende Nutzungen neu zu bauen – Schwimmhalle kann nur Schwimmhalle bleiben oder zur Ruine verkommen.
  • Nachhaltiges Bauen. Einen völlig intakten Baukörper abzureißen und durch einen anderen an anderer Stelle zu ersetzen ohne einen Nutzungsgewinn zu erzielen ist vor allem Ressourcenverschwendung. Wir reden alle über Klimaschutz, hier wäre durch Sanierung ein großer Beitrag zu leisten.

Göttingen, 15.2.22